Mein Traum. Was war es noch?

Ich drehte mich zu dem kleinen Tischchen neben dem Diwan, um den Funkwecker zu sehen. Die Zeiger drehten sich unaufhörlich im Kreis, als wollten sie die genaue Uhrzeit erst noch für mich suchen. Ich sah ihnen eine Zeit lang zu und wartete, ob sie stehen bleiben würden.Doch sie blieben rastlos und drehten sich immer weiter. Wie im Traum. Im Film. In welchem Film? Wilde Erdbeeren. Bergmann. Fünfziger Jahre. Schwarz-Weiß. Jede Einstellung ein besonderes Foto. Nein, die große Straßenuhr bei Bergmann hatte keine Zeiger.und auch die Taschenuhr -.

Blätter verwehen, Wolken ziehen schnell dahin, eine Landschaft verändert sich im Zeitraffer-.

Halb zehn etwa. In meinem kümmerlichen Zeitgefühl konnte es halb zehn sein.Ich musste aufstehen Selma, meine Agentin und meine Freundin würde gegen elf kommen, um sich die Fotos anzusehen und um mich zu einem späten Frühstück abzuholen.

Selma.

Mein Blick strich noch einmal über die beiden Fotoreihen an der Wand. Jedes Foto im A-3-Format. In der Dokumentation der NGO, die den Auftrag erteilt hatte, würden die Fotos viel kleiner erscheinen. Doch für die Ausstellung würde jedes auf achtzig mal hundert aufgezogen werden.Ein ganz anderer Eindruck.Ich freute mich schon auf die Präsentation. In acht europäischen Städten.Gleichzeitig. Und danach eine weitere Ausstellung. Meine Bilder Zeugin 16. Aber das war noch nicht sicher.

Freudenberg tapste von der Terrasse herein, hatte dort wohl geschlafen. Er stellte sich neben den Diwan, legte seinen Kopf neben meinen und wartete auf Zärtlichkeiten. Morgens roch er am besten. Ich streichelte ihn ausführlich hinter den Ohren, denn das liebte er.Dann ging er zur Eingangstür und legte sich daneben, um auf Fabian zu warten. Es war also schon gegen zehn. Freudenberg brauchte keine Uhr.

Ein letzter Blick auf den kaputten Wecker.